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HILTRUPER SEGEL-CLUB e.V.


Ein Besuch bei den Wikingern und Trollen
Seesegler-Törn in Norwegen: 28. August - 4. September 2010
Fotoserie


Waren wir 2006 in Schweden, 2008 in Schottland, so sollte es 2010 Norwegen sein. Wir, das sind Ali, Marion, Henk und ich (Bernd) vom Hiltruper Segel-Club.
Zur Vorbereitung studierte ich "100 Häfen in Norwegen" von Georg Schuster und einige Berichte im Internet. Dass Ebbe und Flut bei der Planung und dem Törn keine große Rolle spielten, soll nur nebenbei Erwähnung finden. Das Boot, eine Sun Odyssey 36i, war navigatorisch bestens ausgestattet. Das Wetter war hervorragend, warm, viel Sonne - aber leider wenig oder kein Wind, so dass der "Jockel" öfters, als uns lieb war, zum Einsatz kam.
Gestartet sind wir am 29.08. von Hjellestad Marina, nahe Bergen, Richtung Süden, so wie ich es geplant hatte, und es bei der Übernahme auch empfohlen wurde. Unser erstes Ziel war Rosendal im Hardangerfjord. Dazu ging es durch den Bjørnafjord in den Lokksund, vom Vercharterer als "boring" bezeichnet, was wir anders erlebten. Die Felsen links und rechts reichen steil bis zu 200m in die Höhe. An der schmalsten Stelle, nahe der Brücke, war der Tidenstrom deutlich zu sehen und zu spüren. Er stellte dennoch keine Gefahr dar. Im Hardangerfjord ging es nordöstlich bis zur Insel Kalben nach steuerbord in den Kvinnheradsfjord, an dessen Ende Rosendahl liegt. Ein kleiner Ort mit einer Baronie aus dem 17 Jahrhundert mit einem wunderbaren Park und einem Rosengarten. Auch der neue Schwimmsteg ist bestens mit Wasser und Strom ausgestattet.

Am nächsten Tag motorten wir, wegen fehlendem Wind, weiter den Hardangerfjord hoch, vorbei an dem Furebergfossen, einem eindruckvollen Wasserfall, in den Maurangerfjord bis Sundal. Von hier aus sind wir dem reißenden Gletscherbach folgend zum Folgefonna-Gletscher gewandert. Ein zum Teil beschwerlicher Weg, der zunächst an den Gletschersee, Bondhusvatnet, und über Brücken, unter denen das Schmelzwasser in den See fließt, zum kalbenden Gletscher, der hier Bondhusbreen heißt, führt. Ca. 1000m sind hier die Felsen hoch, von denen hier und da das Schmelzwasser in schmalen aber hohen Wasserfällen herab stürzt. Hier fanden wir ein Trollbrot (ein rundlicher Stein, der durch Wasser und Frost in mehrere Scheiben zerfallen ist). Ein unvergessliches Erlebnis. Nach ca. 5 Stunden waren wir mit wunderbaren Eindrücken und großem Hunger zurück auf dem Schiff. Ein grauer Himmel und Wolken, die die Berge "herunterfielen", sowie Nieselregen erwartete uns am nächsten Morgen auf dem Weg nach Mosterhamm auf der Insel Moster. Olav Tryggvason, ein ehemaliger Wikinger und viele Jahre auf Raubzügen unterwegs, soll im Jahre 994 getauft worden sein. 995 begann er als König von Norwegen u a. von Moster aus die Christianisierung Norwegens. Hieran erinnert ein steinernes Kreuz auf einem Berg mit wunderschöner Weitsicht über den Hardangerfjord. Sehenswert auch das kleine Amphibientheater in einem ehemaligen Steinbruch. Ach ja der Wind - er kam aus SW, genau aus der Richtung, in die wir mussten - mit der unglaublichen "Wucht" von 1-2 Beaufort! Dafür war die Einfahrt in den Naturhafen spannend. In einem norwegischen Hafenbuch war eine Wassertiefe von stellenweise 2 m angegeben, unser Tiefgang 2,10 m, dennoch kein Problem es waren laut Tiefenmesser 3,6 m.
Der nächste Tag bescherte uns zu unserer Freude etwas mehr Wind bis zu 4 Beaufort aus nördlicher bis nordwestlicher Richtung, so dass wir mehr segeln als motoren konnten. Unser Ziel war Haugesund, eine Handelsstadt am Karmsund an der Nordküste von Norwegen gelegen, das von der Fischerei, Konservenindustrie und Werften lebt. Eine mächtige 690 m lange Brücke mit einer Durchfahrtshöhe von 22 m verbindet Haugesund mit der Insel Risoya. Von der Brücke aus auf den Hafen (Kanal) gesehen könnte man glauben jeder Einwohner besitzt ein Motorboot, so viele sind an der langen Kaimauer fest gemacht. Ein nettes Städtchen mit guten Einkaufsmöglichkeiten und einem aus roten Steinen gebauten Rathaus.
Zurück zum Haugesund, an Mosterhamn vorbei in den Stokksund, zwischen den Inseln Alforo und Tranoyi hindurch zum Selbjörnsfjord ging es am nächsten Morgen. Das Feuer Oekshamaren ließen wir Backbord liegen, um in Bekkjarvik, einem kleinen verträumten Hafen mit guten Einkaufsmöglichkeiten, für die Nacht fest zu machen.
Der kommende Tag bescherte uns wieder einmal Flaute aber herrlichsten Sonnenschein. - Das nächste Mal werde ich wohl ein Motorboot chartern! - Um 9.00 Uhr fuhren wir los mit Kurs NNW unter einer Brücke durch zum Feuer Groenig, das uns den Weg durch viele kleine und größere, bewohnte und unbewohnte Inseln den Weg Richtung Bergen zeigte. Wir genossen das schöne Wetter und beneideten die Besitzer der massenhaften, bunten und prächtigen Häuser mit eigenen Anlegern, die direkt am Wasser stehen. Immer wieder schmale Passagen, weite Fjorde und mehr oder weniger hohe Berge sorgten für viel Abwechslung. Der Route Stavanger - Bergen folgend, fuhren wir durch den Raunefjorden zu einem weiteren Höhepunkt unserer Segeltour. Schon von weitem waren der Rosenkranzturm und die vielen Häuser an den Berghängen zu erkennen, die im mittäglichen Sonnenschein wie bunte Mosaiksteinchen glänzten.

Im Hafen direkt gegenüber den Bryggen fanden wir neben einem anderen Segelboot die Möglichkeit fest zu machen. Neben dem Weltkulturerbe und früherer Handelsstation der Hanse Tyskebryggen, seit Ende des zweiten Weltkrieges nur Bryggen, empfanden wir es als Pflicht, auch mit der Standseilbahn auf den Floyfjell zu fahren, um von der Aussichtsplattform Bergen, den Hafen und die wunderschöne Umgebung zu bewundern. Auf einem Spaziergang trafen wir tatsächlich den ersten Troll. Der steht wohl immer an dieser Stelle und erinnert als Unhold der nordischen Mythologie an die vielen Geschichten, die über seine Gattung geschrieben wurden. Sehr interessant auch die kleine Halbinsel Nordnes, auf der noch viele alte aber bewohnte Holzhäuser und so schmale Gassen zu besichtigen sind, dass nicht einmal ein Auto hindurch fahren kann.
Den Abend genossen wir in der Plicht und betrachteten die abendlich beleuchteten Häuser und Straßen, ehe es am nächsten Morgen zurück nach Hjellestad, unserem Ausgangshafen ging.
Gerne hätten wir mehr gesehen, aber eine Woche ist dafür zu kurz.

Bernd Thewes


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