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HILTRUPER
SEGEL-CLUB e.V.
Plattbodentörn
im Niederländisches Wattenmeer vom 3. bis 10.Juli 2009
HiSC-Seesegler auf
dem Trockenen
Fotoserie Törn
Ali
Kranenburg (Skipperin) und Henk Verboom hatten mit ihrer Familie bereits eine
Woche auf dem "Waterman" verbracht, als anfang Juli eine Gruppe von
HiSC Seeseglern an Bord der 10,50 Meter langen Lemsteraak mit Heimathafen Heeg
kamen.
Die Windvorhersagen waren günstig, so dass die Crew beschloss, am Samstag
Morgen zwei Stunden vor Hochwasser um Viertel nach sechs die erste Brücke
im Harlinger Hafen zu passieren mit Kurs auf Ameland, und schon kurz hinter
der Brücke hieß es Segel setzen. Bei noch diesigem Wetter folgte
die Crew mit halbem Wind und weit geöffneten Segeln - man wollte ja nicht
zu schnell und riskant über die Plate jagen - zunächst einem "Prickenkurs"
durch das Kimster Gat, der uns in Richtung Ameland führte. Bereits mittags
legten wir bei strahlendem Sonnenschein im Hafen von Nes an, von wo aus ein
Teil der Crew mit Rädern den westlichen Teil der Insel erkundete, der durch
Salzwiesen mit unzähligen dort brütenden Vögeln, kilometerlange
Sandstrände und herrliche Dünenlandschaften gekennzeichnet ist.
Zeitig am nächsten Morgen legte der Waterman in Richtung Terschelling ab
und wir konnten sogar den Klüwer setzen. In einem Zeitfenster von drei
Stunden (eine Stunde vor, zwei Stunden nach Hochwasser) ist es Wassersportlern
erlaubt, am Naturschutzgebiet Blauwe Balg vorbeizufahren, einer Sandbank mit
vielen Vögeln und Seehunden. Und dort lagen sie und sonnten ihre wohlgenährten
Bäuche in der Sonne: circa 350 Seehunde, die sich präsentierten, als
warteten sie nur auf vorbei segelnde Touristen, die sich an diesem beeindruckenden
Bild nicht satt sehen und ihre Finger nicht vom Auslöser ihrer Fotoapparate
nehmen konnten.
Und der Tag
hielt noch einen weiteren Höhepunkt bereit: das Trockenfallen vor Terschelling.
Nachdem ein geeigneter Ankerplatz gefunden war, hieß es schnell noch in
der
See
zu baden, solange das Wasser hierfür tief genug war. Auf dem Grund, dort,
wo noch etwas Wasser war, tummelten sich Tausende von Garnelen und zahlreiche
Krebse liefen über den Grund. Manche bekämpften sich gegenseitig bei
der Futtersuche oder sollte das etwa ein Liebesspiel sein? Und dann kam das
Watt immer näher auf uns zu, mit ihm Hunderte von Vögeln, die nach
frischen maritimen Leckerbissen suchten und mit einer reich gedeckten Tafel
beschenkt wurden. Irgendwann zeigte die geänderte Richtung der Seegrasbüschel
an, dass der Strom gekentert war und einige Zeit später hieß es auf
zur letzten Etappe in den Hafen von Terschelling. Dunkle Gewitterwolken waren
inzwischen hinter uns am Himmel aufgezogen und trieben uns in den Hafen, der
vor uns malerisch in der untergehenden Sonne lag. Kaum war ein geeigneter Anlegeplatz
gefunden und die letzte Leine festgemacht, prasselte ein dickes Gewitter mit
beeindruckenden Blitzen und lautem Donner über uns nieder.
Von Terschelling aus ging es am nächsten Morgen bei Sonnenschein zunächst
unter Motor, später unter Segel im zweiten Reff bei Windstärke fünf
zurück nach Harlingen, am Rande des stark befahrenen Fahrwassers entlang,
wobei uns nicht nur die Vlieland- und Terschellingfähren begegneten, sondern
auch zahlreiche Dreimastklipper, jene Traditionsschiffe, die immer häufiger
restauriert als Passagiersegelschiffe von Gruppen genutzt werden.
Für die nächsten Tage waren stürmische Winde auf dem Wattenmeer
angekündigt, so dass wir uns entschlossen, bereits am Dienstag Stavoren
anzusteuern. Gegen den Wind kämpfte sich der Waterman stampfend nach Kornwerderzand,
und nach dem Passieren der Schleuse und einem kleinen Schlag nach Südwesten
konnten endlich wieder die (gerefften) Segel gesetzt werden, so dass wir auch
diesen Schlag genießen konnten.
Direkt
hinter der Schleuse zum Johann-Frieso-Kanal liegt eine kleine, preisgünstige
Marina, die auch für den nächsten Tag unser Liegeplatz sein sollte,
denn trotz angekündigter nur drei bis vier Windstärken aus Südwest
pfiff der Wind mit Windstärke sechs und in Böen bis sieben mit dicken
Schauern über uns hinweg, so dass wir uns entschlossen, einen Hafentag
einzulegen. Bei einem Spaziergang über den Deich sahen wir einen großen
Kahn, dessen Anker sich gelöst und den der Sturm auf das Ufer zu getrieben
hatte, wo er nun feststeckte und die Besatzung versuchte, umherfliegende Dinge
mit Gurten fest zu zurren.
Ob wir wollten oder nicht, die Rückreise nach Heeg ließ sich nun
nicht länger hinausschieben und mit raumem Wind und gereffter Fock ging
es in flotter Fahrt durch den Johann-Frieso-Kanal, vorbei an Koudum, das wir
mit vielen positiven Gedanken verbinden und bereits in vier Wochen wiedersehen
würden.
Die Schiffsübergabe war eine reine Formsache, es folgte die Autofahrt nach
Harlingen (zum Fünften), um dort das zweite Auto abzuholen, ein letzter
Spaziergang durch den Ort mit Stärkung bei Kibbeling und dem guten Gefühl,
einen abwechslungs- und erlebnisreichen Törn gefahren zu sein, bei dem
kein Tag wie der andere verlaufen war, wir die Schönheit und Vielfalt des
Wattenmeeres sehen und ein gar nicht mal so unsportliches Plattbodenschiff erleben
konnten.
Danke an Ali und Henk, die bereitwillig immer wieder ihren Törn so gestalteten,
dass möglichst viele HiSCler (Gisela Severin, Hans-Gunter Westermann, Rosmarie
Kusseler, Norbert Uwira, Christopher Wessling, Gisela Hartmann) in den Genuss
dieses besonderen Erlebnisses kommen konnten.